Sarah Röthlisberger

Erfahrungsbericht: Die etwas andere Jobsuche von Sarah Röthlisberger

Die Jobsuche kann mitunter ziemlich anstrengend sein. Sarah Röthlisberger dreht den (Job-)Spiess um und geht die Jobsuche proaktiv an.

Wir haben uns mit Sarah Röthlisberger unterhalten und sie gefragt, wie sie auf die Idee der proaktiven Stellensuche gekommen ist.

Sarah Röthlisberger

Sarah Röthlisberger

Sarah, vielleicht als Erstes: Wer bist Du und wie sieht Dein Werdegang bis jetzt aus? Wo bist Du aktuell beruflich tätig?
Sarah Röthlisberger: Mein Name ist Sarah Röthlisberger. Ich bin 26 Jahre alt und komme aus Bern. Nach meiner Berufslehre bei Swisscom als Mediamatikerin habe ich in verschiedenen kleineren Betrieben gearbeitet. Parallel dazu habe ich an der Schule für Gestaltung den Lehrgang für Medienwirtschaft und Medienmanagement besucht und darf mich seit einiger Zeit dipl. Technikerin in HF für Medienmanagement und Medienwirtschaft nennen. Aktuell leite ich bei der PostFinance im Competence Center for Young Professionals die Mediamatikabteilung und befinde mich im Endspurt meiner Bachelorausbildung zur Betriebswirtschafterin.

Was für einen Job suchst Du eigentlich? Raum Bern?
Ich suche eine Stelle mit Projektverantwortung im Marketing- oder Kommunikationsbereich, bin jedoch auch für andere interessante Stellenangebote offen. Dabei schränke ich mich nicht auf den Raum Bern ein. Auch die Region Zürich, Basel oder Luzern kommen für mich in Frage. Ein Umzug in eine neue Stadt kann sehr bereichernd sein.

Auf Deiner Webseite www.areyoumynewboss.ch suchst Du aktiv nach Deinem neuen Boss? Wie bist du auf diese Idee gekommen?
Ich versuche, gewisse Umstände jeweils auch aus einer anderen Perspektive zu betrachten. So entstand auch die Idee, statt eines Jobs, einen neuen Vorgesetzten zu suchen. Zudem stellen sich viele Firmen heutzutage die Frage, wie die Generation von morgen gerne arbeiten möchte. Die gewählte Vorgehensweise mit der Website ermöglicht es, sich zu positionieren. Gleichzeitig werden dem zukünftigen Arbeitgeber dabei die Vorteile aufgezeigt. Beispielsweise profitiert der Arbeitgeber vom Wunsch des Arbeitnehmers, mit seinem Vorgesetzten auf Augenhöhe kommunizieren zu können, indem ein nutzbringender Dialog entsteht, was die Grundlage für ein innovatives und erfolgreiches Miteinander darstellt.

Was ist Dir wichtiger: Funktion, Unternehmen oder der neue Boss?

„Don`t pick a job. Pick a Boss. Your first Boss is the biggest factor in your career success. A Boss who doesn`t trust you won`t give you opportunities to grow“. Dies ist ein Zitat von William Raduchel.

Meiner Meinung nach sollte man dieses Zitat nicht nur auf seinen ersten Vorgesetzten beziehen. Für die eigene Entwicklung ist der Vorgesetzte weit über die Anfangsjahre der Karriere hinaus von grosser Bedeutung. Ich habe sehr gute und weniger gute Chefs erlebt. Einen Chef zu haben, der an dich glaubt, dir vertraut und dir als Mentor zur Seite steht und dich immer wieder vor neue Herausforderungen stellt, damit du dein volles Potential entfalten kannst, ist sehr wertvoll. Es sind Menschen, die eine Firma bewegen. Darum steht bei mir der Vorgesetzte inklusive das dazugehörige Umfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers im Vordergrund.

Normalerweise werden Stellengesuche anonym verfasst. Wieso gehst Du einen viel offensiveren Weg resp. hast Du das mit Deinem aktuellen Boss abgesprochen?
Mit meinem Vorgesetzten pflege ich ein sehr gutes Verhältnis, das auf gegenseitigem Respekt und Achtung beruht. Auf Basis dieser Werte bin ich der Meinung, dass es wichtig ist, von Anfang an ehrlich zu sein. Daher habe ich meinen Vorgesetzten noch vor der Aufschaltung der Seite über meine weiteren beruflichen Schritte informiert und ihn um seine Expertise bezüglich der Webseite gebeten. Er war der Erste, der die Seite auf seinen Social-Media-Kanälen teilte und mit seiner Reichweite für die ersten 300 Besucher auf der Webseite sorgte. Wie schon gesagt „Don`t pick a job…pick a boss.“

Welche Kommunkationswege hast Du Dir dabei ausgesucht resp. wie soll Dein neuer Boss auf dich aufmerksam werden?
Durch meine bisherige Arbeit hatte ich die Gelegenheit, viele interessante Persönlichkeiten kennenzulernen. So konnte ich mit Personen, die eine grosse Reichweite besitzen, kooperieren (sog. Influencer). Um die Webseite zusätzlich zu pushen, habe ich Werbeanzeigen auf Twitter geschaltet.

Mit dem ganzen Vorhaben beabsichtigte ich, ein möglichst authentisches Bild meiner Person abzugeben. Ein Vorgesetzter, der nicht will, dass eine Mitarbeiterin beispielsweise seine Ideen hinterfragt beziehungsweise mitdiskutiert, hat so die Möglichkeit, die Webseite einfach zu schliessen – in diesem Fall lieber weggeklickt als angestellt.

Kannst Du uns noch etwas über das gewählte Targeting auf Twitter verraten?
Ja, klar. Ich verwende folgendes Targeting:

Targeting auf Twitter

  • Schlagworte: HR, Recruiting, Trends, Digital, PR, Medien, Marketing, Innovation
  • Zielgruppendefinition nach Followern: Einige bekannte Influencer und Plattformen angehängt (z.B @persoenlichcom)
  • Interessen: Marketing, Führungskraft, Personalwesen, Werbung, Unternehmertum, Wirtschaft
  • Ort: Schweiz
  • Sprache: Deutsch
  • Geschlecht: Männlich und weiblich

Wie ist die Resonanz bisher? Wer meldet sich bei Dir, das HR oder gleich Dein potenziell neuer Boss?
Mittlerweile bin ich mit mehreren Personen im Gespräch. Darunter sind Rekruter oder auch Vorgesetzte, die Interesse bekundet haben. Einige Personen haben lediglich mittgeteilt, dass sie die Idee toll finden und andere wiederum, dass sie die URL weitergeleitet/geteilt haben. Es liegen aber auch schon konkrete Stellenangebote auf dem Tisch. Ehrlich gesagt, bin ich selbst über die grosse Resonanz, welche die Seite ausgelöst hat, überrascht. Mittlerweile haben über 1800 Personen die Webseite besucht. Ich freue mich täglich über die neuen Mails und bin begeistert zu sehen, dass man mit einer simplen Webseite sehr viel bewegen kann.

Sarah Röthlisberger

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Hast Du Deine „Kampagne“ inkl. Webseite selber erstellt oder hast Du Dir Hilfe geholt?
Heut zu tage ist es ist kein Problem mehr, eine Webseite zu erstellen oder eine Kampagne zu starten. Das ist das Tolle am Internet. Wir leben in einem Informationszeitalter und jeder kann Content erzeugen. Ich habe die Webseite beispielsweise mit Squarespace erstellt. Nur das Verlinken der Domain hat mich einen Kaffee gekostet.

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Titelbild Webseite

Kein Interview ohne eine Geldfrage: Was ist Dein „Kampagnenbudget“?
Bei einem ehemaligen Arbeitgeber habe ich eine Google AdWords Kampagne geschaltet (Budget von 100 CHF) und damit für den entscheidenden Lead für den Kauf einer Eigentumswohnung gesorgt. Deshalb habe ich mir auch dieses Mal zum Ziel gesetzt, nicht mehr als 100 CHF für geschaltete Werbung auszugeben. Die 11-tägige Twitter Kampagne hat mich bisher 60 CHF gekostet.

Dein (Zwischen-)Fazit? Würdest Du etwas anders machen?
Ich habe ein paar Anfragen von kleineren Betrieben erhalten. Ich hätte von Anfang an auf der Webseite kommunizieren sollen, dass ich grössere Unternehmen bevorzuge. Auch wenn ich mittels dieser Webseite nicht die passende Stelle finden sollte, hat sich das Ganze gelohnt. Allein die vielen positiven Reaktionen und die tollen Gespräche, die ich führen durfte, waren sehr wertvoll. Ich überlege mir auch, ob ich meine Bachelorarbeit zu einem Recruiting-Thema schreiben soll.

Wir bedanken uns bei Sarah für das Interview und wünschen ihr viel Erfolg bei der Jobsuche!

Wer mit Sarah Röthlisberger in Kontakt treten möchte, kann das auf folgenden Kanälen tun:

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